Strompreise auf Höhenflug: Wie lange noch Amateur-Fußball unter Flutlicht?

Fußball-Bayernligist SpVgg SV Weiden rechnet mit einer Verdoppelung der Energiekosten – das „Worst-Case-Szenario“. Auch die Fußballer des FC Amberg mit Hauptverein TV könnte es erwischen – bei der DJK Gebenbach hingegen gibt’s Entwarnung.

Rund 12 bis 13 Euro kostet der DJK Gebenbach derzeit ein Flutlichtspiel am Abend. Deutlich mehr zu Buche schlagen die Kosten für den Trainingsbetrieb unter Flutlicht.

Drastische Erhöhungen drohen bei den Energiepreisen, beim Gas, Öl und Strom. Das Thema beschäftigt auch Sportvereine. Womöglich könnten saftige Steigerungen im fünfstelligen Euro-Bereich zu Einschränkungen im Spiel- und Trainingsbetrieb führen. Oberpfalz-Medien hat sich bei den höherklassigen Fußballclubs umgehört, die im Herbst, Winter und im Frühjahr unter Flutlicht trainieren und auch unter der Woche am Abend immer wieder ihre Punktspiele austragen. Die Clubs sehen das Ganze sehr unterschiedlich – von entspannt bis angespannt.

Fußball-Bayernligist SpVgg SV Weiden hat noch keine Post von Eon bekommen, was eine eventuelle Erhöhung des Strompreises betrifft. Vorsitzender Michael Kurz und seine Truppe haben sich aber bereits Gedanken gemacht, was wäre, wenn es tatsächlich zu saftigen Steigerungen käme. „Wir haben einen Schattenhaushalt erstellt, mit Zahlen, die momentan kursieren. Wir haben auch mal mit 44 Cent pro Kilowattstunde hochgerechnet, dann kommt ein Riesenblock auf uns zu. Abendspiele könnten dann im Amateursport so gut wie gänzlich verschwinden, denke ich.“

38 000 Euro pro Jahr?

Auf seinen Verein kämen bei dem veranschlagten Strompreis fast das Doppelte an Kosten zu: „Geschätzt sind das rund 38 000 Euro pro Jahr nur für die Trainingsplätze“, erklärt Kurz. Die Anlage sei neu, auf den beiden Kunstrasenplätzen stehen jeweils vier Flutlichtmasten. Vorteil sei, dass hier die Lichtleistung reduziert werden könne. Die SpVgg SV Weiden würde zwar gerne weiterhin am Freitagabend ihre Heimspiele austragen, aber wenn es zu teuer werde, „dann geht das nicht mehr.“ Als weitere Sparmaßnahme kann sich Kurz vorstellen, dass auf einem großen Platz zwei Jugendmannschaften gleichzeitig trainieren, oder dass die Einheiten am Abend vorverlegt werden, um eine Stunde eventuell. „Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wir machen uns schon Gedanken.“

Die Preiserhöhung ist beim TV 1861 Amberg angekommen, aber bisher nur für das Fitness-Studio „Balance“. Von 19 Cent auf 62 Cent steigt der Strompreis je Kilowattstunde, das macht rund 7000 Euro mehr pro Jahr. Beim Gas ist der Anstieg noch eklatanter: Knapp 42 000 mehr soll der Verein an Gaskosten mehr bezahlen. „Das trifft uns hart. Wir sind ja zusätzlich auf Spenden angewiesen, aber die bewegen sich im Hunderterbereich. Hier handelt es ich um eine Riesensumme im Tausenderbereich. Ich hoffe auf die Politik und den Bayerischen Landessportverband. Da muss etwas passieren, sonst wäre das eine Katastrophe für die Sportvereine“, erklärt Thomas Bärthlein. Der Vorsitzende des TV 1861 Amberg sieht diese Säule der Gesellschaft in Gefahr, denn solche Summen könnten alleine nicht gestemmt werden. „Wir können ja nicht einfach die Mitgliederbeiträge erhöhen, denn die Energiepreiserhöhung trifft ja auch jeden privat. Sonst treten womöglich die Leute aus den Vereinen aus“, befürchtet Bärthlein. Er hofft, dass sie Abteilungen „mitdenken und mithelfen, Energie zu sparen.“ Was die Fußballer des Landesligisten FC Amberg angeht, eine Abteilung des größten Amberger Vereins, ist noch Warten angesagt. Da kam bisher noch keine Post von den Stadtwerken. Bärthlein rechnet aber mit einer Erhöhung in gleicher Größenordnung. Er will überprüfen, ob die Flutlichtanlagen – zwei Plätze mit je vier Masten sind es – dimmbar sind und was hier an Einsparpotenzial vorhanden ist.

Sparsame LEDs

„Wir haben komplett auf LED umgerüstet, entsprechend niedrig sind die Energiekosten. Aber natürlich ist das ein Faktor, auf die jeder Verein schauen muss. Die Spiele sind für heuer festgelegt, da können wir nichts mehr ändern“, erklärt Gebenbachs Teammanager Franz Wittich. Thomas Milde sieht die Sache mit gemischten Gefühlen. Im Winter sei es ab 17 Uhr dunkel, da könne ein Training nicht ohne Flutlicht stattfinden. „Die Frage ist, auf was will ich verzichten? Ich kann den sportlichen Teil nicht ignorieren und sagen: Ich mache nur noch einmal Training in der Woche,“ gibt der DJK-Finanz-Chef zu bedenken. „Das wäre für den Verein fatal.“ Dreimal pro Woche befindet sich die Herrentruppe im Training, bei der Jugend gibt es eine Spielgemeinschaft mit dem SV Hahnbach. In der Übergangszeit, so Milde, hätte man durchaus statt um 18 Uhr schon um 17 Uhr mit dem Training beginnen können, doch „da hat man das Thema noch nicht so auf dem Schirm gehabt.“

Entspannt bis nach Winterpause

Trotz Umstellung auf LED sei je nach Liga eine gewisse Beleuchtung erforderlich. Aber aktuell sei die Lage bei der DJK Gebenbach keineswegs kritisch. „Wir haben momentan kein Problem, wir sind Kunde bei den Stadtwerken Amberg und haben schon Post bekommen, wie sich der Strompreis ab 1. November ändert. Die haben nicht groß erhöht für Bestandskunden. Aber wie lange das anhält, wissen wir nicht. Aber bis nach der Winterpause sind wir relativ entspannt“, erklärt Franz List, der quasi als Energieberater für den Verein tätig ist. Sechs Flutlichtmasten sind am Hauptplatz installiert, die über eine Leistung von 17 kW verfügen. Rund drei Stunden brennt sie Anlage bei einem Abendspiel. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung: „Ein Flutlichtspiel kostet uns etwa 12 bis 13 Euro für die Beleuchtung auf dem Platz, dazu kommen die Systemstromkosten im Gebäude, in der Wirtschaft, in den Umkleidekabinen“, erläutert List. Denn ein Flutlichtspiel verursache nur einen Teil der Energiekosten, was sich summiere, seien die Kosten bei den Trainingseinheiten. Doch auch hier gibt Franz List Entwarnung – momentan: Die Anlage auf dem Trainingsplatz verfüge über eine geringere Leistung als die auf dem Hauptplatz, das bedeute, dass die Kosten derzeit nicht aus dem Ruder laufen.

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