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 05.11.2022 – 23:55 Uhr

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Wer sich am Samstag doch fürs Shopping mit der Familie oder Kaffeetrinken mit der Schwiegermutter entschieden hat, dürfte es bereuen: Das Bayernliga-Derby bot alles, was die Herzen von Fußball-Fans höherschlagen lässt.
Intensive Zweikämpfe wie in dieser Szene zwischen Gebenbachs Bastian Freisinger (Mitte) und Ole Meißner prägten das Neun-Tore-Spektakel.

 

Kai Hempel, Trainer der DJK Gebenbach, wischte sich mehrmals mit beiden Händen übers Gesicht, er versuchte irgendwie seine Gedanken nach diesem wilden Ritt im Weidener Sparda-Bank-Stadion zu sortieren. „Ich brauche jetzt erst einmal eine Halbe“, war dann das erste, das er über die Lippen brachte. Sein Gegenüber Rüdiger Fuhrmann verschwand unmittelbar nach Spielschluss gleich komplett wortlos in der Kabine.

Es war für alle Beteiligten schwierig, Worte für das aufzubringen, was sich am Samstagnachmittag im Bayernliga-Derby zwischen der SpVgg SV Weiden und der DJK Gebenbach abgespielt hat. Das 90-minütige Drehbuch dieses Oberpfalz-Krimis in Kürze: 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 4:3, 4:4, 4:5. Neun Tore, irre Wendungen, Elfmeter, Rudelbildung, über 1000 Zuschauer – der dramatische 5:4-Achterbahn-Sieg des neuen Tabellenführers der Bayernliga Nord aus Gebenbach in Weiden bot alles, aber auch wirklich alles, was die Herzen von Amateurfußball-Anhängern höherschlagen lässt.

Individuelle Abwehrschnitzer

Die Gäste zeigten über die gesamte Spielzeit die reifere Spielanlage, waren vor allem vor der Pause das klar überlegene Team. Doch die Weidener überraschten den Lokalrivalen mit ihrer forschen Spielweise und zeigten sich vor dem Tor sehr effektiv. Letztendlich waren es individuelle Aussetzer in der Defensive, die die Fuhrmann-Elf um den Lohn der Arbeit brachten. Exemplarisch seien das plumpe Foul, das zum Strafstoßtor zum 1:1 durch Bastian Freisinger führte oder das lasche Zweikampfverhalten beim 1:2 durch Nico Becker erwähnt.

„Weiden hat das sehr gut gemacht, hat uns früh attackiert, damit haben wir nicht unbedingt gerechnet“, sagte Gebenbachs Jonas Lindner. Auch er war aber mit der Abwehrarbeit seiner DJK unzufrieden. „Wenn wir auswärts fünf Tore schießen müssen, um zu gewinnen, dann gibt es definitiv etwas, das wir aufarbeiten müssen.“ Damit lag er voll und ganz auf der Linie seines Trainers. „Wir bekommen natürlich viel zu einfache Gegentore, aber das ist mir gerade sch…egal. Die Moral dieser Mannschaft, so ein Spiel, an dem wir wirklich keinen guten Tag hatten, doch noch zu gewinnen, ist bärenstark“, lobte Hempel den Schlussspurt seiner Mannschaft, als er wieder zu Worten gefunden hatte.

Rodler vergibt das 4:2 freistehend

Umjubelter Held war Rechtsverteidiger Jan Fischer, der in der Nachspielzeit nach einer abgewehrten Ecke aus 18 Metern zum vielumjubelten 5:4 getroffen hatte. Zuvor war Joker Salah El Berd sechs Minuten vor dem Ende der Ausgleich geglückt. „Letztendlich interessiert niemanden mehr, wie wir das Spiel noch gezogen haben“, gab sich Jonas Lindner doch noch pragmatisch.

Bis zur 84. Minute sah es nämlich noch nach einem Weidener Überraschungssieg aus, 4:3 führte die SpVgg SV. David Bezdicka, Kevin Grünauer, Stefan Pühler und Michael Jonczy hatten die Gastgeber dreimal in Front geschossen, doch am Ende stand die Wasserwerkelf wieder mit leeren Händen da.

„Ich glaube schon, dass wir uns mindestens einen Punkt verdient gehabt hätten. Aber letztendlich müssen wir uns an die eigene Nase fassen, sowohl was unsere Abwehrleistung als auch unsere Chancenverwertung anbelangt“, sagte Stürmer Josef Rodler, der mit sich selbst haderte: „Wenn ich das 4:2 mache, als ich alleine vor dem Tor vergebe, wird es ein anderes Spiel und wir nehmen denen etwas den Wind aus den Segeln.“ Kapitän Sven Kopp richtet, auch wenn es ihm schwerfiel, den Blick wieder nach vorne. „Natürlich ist es für uns extrem bitter. Aber wir haben gut mitgespielt und müssen jetzt die positiven Dinge ansprechen, um vor der Winterpause noch ein paar Punkte zu holen.“

Die positiven Dinge hatte auch Gebenbachs Trainer Kai Hempel nach der Partie schnell wieder gefunden. Am Bus der DJK gönnte sich der Derbysieger dann seine unmittelbar nach Spielschluss schon herbeigesehnte „Halbe“. Es war schließlich ein Tabellenführer-Bierchen.

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