Mit 41 noch Bayernliga: Die Geschichte eines Fußballverrückten

Gebenbachs Oliver Gorgiev will auch in der kommenden Saison weitermachen

mittekbayrische Zeitung (Februar 2022)

 

 

 

Er ist einzigartig: Mit seinen 41 Jahren läuft Oliver Gorgiev immer noch in der Bayernliga für die DJK Gebenbach auf. Und nein, nicht nur als Joker für die letzten Minütchen. In der Regel gehört der Nürnberger zum Stammpersonal bei den Oberpfälzern aus dem Landkreis Amber-Sulzbach. Das macht ihm so schnell keiner nach. Ob er nun langsam die Lust – auch bedingt durch die Corona-Maßnahmen – verliert, oder weiter unverwüstlich die Schuhe schnürt? FuPa hat beim Bayernliga-Methusalem nachgefragt.

Zwei Jahre Corona setzen mittlerweile der Gesellschaft und auch dem Amateurfußball zu. „Ich denke, wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem sich jeder nur noch fragt: Was gilt denn jetzt eigentlich? Genauso im Fußball. 2G für Spieler, 2G Plus für Zuschauer. Es kennt sich doch keiner mehr aus“, meint Oliver Gorgiev halb genervt, halb resignierend. Die Gebenbacher Kicker sind längst in die Vorbereitung auf eine wieder mal unsichere Frühjahrsrunde eingestiegen, das Virus und die daraus resultierenden Maßnahmen sind omnipräsent. Testungen, Hygienevorschriften und so weiter und so fort. Man könnte jetzt meinen, Gorgiev müsste sich mit seinen 41 Jahren das alles nicht mehr antun. Er hat im Amateurfußball alles gesehen.

Am 13. Februar machen die Gebenbacher den Abflug in die Türkei.

Doch weit gefehlt! Der Defensivspezialist brennt nach wie vor für das Spiel mit dem runden Leder. „Mein Ehrgeiz ist ungebrochen. Ich bin noch lange nicht müde“, schmunzelt er und freut sich aufs Trainingslager ab dem 13. Februar in der Türkei: „Endlich mal wieder Fußball auf schön natürlichem Untergrund. In der Oberpfalz sind ja die Plätze zu dieser Jahreszeit nicht wirklich prickelnd“, grinst er.

Dass er mit über 40 noch in der fünften Liga kicken kann, darüber macht er nicht viel Aufhebens. Aber was ist sein Geheimnis, im biblischen Fußballalter immer noch auf hohem Niveau agieren zu können? „Ich achte schon seit jeher auf meine Ernährung, ansonsten mache ich aber eigentlich nichts Besonderes. Ich lebe den Fußball.“ Ein Glückspilz offenbar, an dem der Zahn der Zeit nicht nagt. „Ich hab`halt gute Gene“, lacht er.

 

Geht`s in die Verlängerung?

Geht`s nach ihm, wird auch im Sommer nicht Schluss sein. Seine Laufbahn will er noch nicht beenden. „Mit unserem Coach Kai Hempel hatte ich schon ein Gespräch. Der Verein möchte gerne, dass ich bleibe. Die finalen Gespräche stehen noch aus, aber es spricht nicht viel dagegen, dass ich in Gebenbach weiterspiele.“ Im März will Oliver Gorgiev zudem seinen Trainerschein in der Sportschule Oberhaching in Angriff nehmen. Sollte er tatsächlich eines fernen Tages nicht mehr selbst auf dem Platz stehen können, dem Fußball wird er aber definitiv erhalten bleiben. „In welcher Funktion auch immer“, sagt er.

Weiter in Gebenbach? "Spricht nicht viel dagegen", meint Oliver Gorgiev (Bildmitte).

Weiter in Gebenbach? „Spricht nicht viel dagegen“, meint Oliver Gorgiev (Bildmitte). – Foto: Werner Franken

Die Pandemie ist auch beruflich nicht spurlos an Oliver Gorgiev vorbeigegangen. Seine Bar in Erlangen hat er vor Corona verkauft. Zusammen mit seinem Geschäftspartner wartet er sehnsüchtig darauf, einen neues Projekt in Angriff nehmen zu können. „Für die Gastronomie ist es mit am schlimmsten. Etwas Neues zu eröffnen macht im Moment eigentlich keinen Sinn, da müssen wir leider weiterhin abwarten.“ Zuletzt hat es ihn nach längerer Zeit wieder einmal in die Innenstadt von Nürnberg getrieben. „Ich war erschrocken, wie viele Läden verschwunden sind. Das ist sehr traurig alles“, findet er nachdenkliche Worte. Es wäre ihm zu wünschen, dass Lockerungen in der Gastronomie ihm das berufliche Leben bald wieder erleichtern. Fußballerisch kann ihn ohnehin nichts erschüttern, nicht einmal eine Pandemie